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2ck - Projektklasse des Vorarlberger Landestheaters

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 Anlässlich 80 Jahre Anschluss nahm das Vorarlberger Landestheater „Die Unverheiratete" in seinen Spielplan auf. Die 2ck hatte als Projektklasse des VLT die Möglichkeit, die Entstehung der Aufführung von Beginn an mitzuverfolgen.

Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer setzt sich in seinem preisgekrönten Stück mit der Frage auseinander, wie auf sich geladene Schuld das Leben eines Menschen und dessen Folgegenerationen prägen kann.

Maria (die Alte) denunziert sieben Tage vor Kriegsende einen Soldaten, den sie bei einem Telefongespräch belauscht hat, in welchem dieser davon spricht, nicht mehr an die Front zurückkehren zu wollen. Der junge Mann wird daraufhin erschossen. Maria muss nach Kriegsende für ihre Tat sieben Jahre ins Gefängnis. Während sie mit ihrer Tochter Ingrid (die Mittlere) nie über die Vorkommnisse spricht, vertraut sie ihrer Enkelin Ulrike (die Junge) ihr Tagebuch an, worauf diese sich auf die Suche nach der Wahrheit macht. Auf ein Schuldeingeständnis der Großmutter wartet Ulrike jedoch vergeblich:

                    [...] was nützt die Wahrheit wenn man sie nicht glaubt

                    wenn man selber seine Wahrheit hat

                    da braucht man nach der Wahrheit gar nicht fragen [...]

In einer stark rhythmisierten Sprache wird das Geschehen in einem in sich verwobenen Wechselspiel von Rückblenden und aktueller Situation entfaltet: Nach einem Zusammenbruch der Großmutter, der einen Krankenhausaufenthalt notwendig macht, holen die Geister der Vergangenheit (ausgedrückt durch die hundsmäuligen Schwestern) die 96-Jährige wieder ein. Dabei wird deutlich, dass das Geschehene seine Schatten nicht nur auf die Verräterin wirft, sondern auch auf Tochter und Enkeltochter.

Diesem anspruchsvollen zeitgenössischen Stück konnte sich die 2ck als Projektklasse des VLT Schritt für Schritt nähern:

Am 31. 1. 2018 gewährten Britta Kampert (Intendantin), Philip Jenkins (Regisseur) und Nina Fritsch (Theaterpädagogin) einen ersten Einblick in die Entstehung dieser Aufführung von der Auswahl des Stücks über die dramaturgische Auseinandersetzung bis hin zur Besetzung der Rollen.

In der Folge setzten wir uns im Unterricht mit dem Stück genauer auseinander, bevor wir am 28.2. als Beobachter/innen einer Teilprobe in den Proberäumen des Benger-Areals erfahren durften, mit welcher akribischen Genauigkeit von Schauspielerinnen und Regisseur jeder Satz abgewägt, jede Pose, jede Geste optimiert und das Zusammenspiel zwischen den Schauspielerinnen koordiniert wird. Sehr anregend und aufschlussreich waren auch die Gespräche mit den Schauspielerinnen Sarah Zaharanski, Bo-Phyllis Strube, Nathalie Thiede, Loretta Pflaum sowie der Dramaturgin Birke Baumann.

Die Endprobe am 7.3., bei der wir zum ersten Mal das ganze Stück sahen, hinterließ starke Eindrücke, aber auch eine gewisse Verstörung, da viele Fragen aufgeworfen wurden, v.a. in Bezug auf das Verhalten der drei Frauenfiguren und deren Verhältnis zueinander. Klärung brachte diesbezüglich ein äußerst interessanter Workshop mit der Psychotherapeutin Claudia Wielander und Nina Fritsch am 13.3., in dem speziell die Auswirkungen von Schulderfahrung auf die nachfolgenden Generationen thematisiert wurden.

Als krönenden Abschluss besuchten wir – angereichert mit sehr viel Vorinformationen – die Aufführung am 15.3.2018.

Wir danken dem Vorarlberger Landestheater und vor allem Nina Fritsch für dieses sehr lehrreiche und spannende Projekt.

Maturavideo 5a 2017/18
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